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Markt · Mai 2026

Der DACH-Bauelemente-Markt 2026: VFF-Marktzahlen, Hersteller-Konzentration und der Handwerker-Mangel

Der Verband Fenster + Fassade legt seine Konjunkturzahlen für 2026 vor — und sie zeigen einen Markt unter doppeltem Druck. Eine Bestandsaufnahme der Material-Verteilung, der Hersteller-Konzentration und des akuten Monteur:innen-Mangels im DACH-Bauelementebau.

Wenn der Verband Fenster + Fassade im Frühjahr seine Branchenkonjunkturzahlen vorlegt, hört die Bauelementebranche genau hin. Der VFF ist die zentrale Stimme der deutschen Fenster-, Türen- und Fassadenwirtschaft, und seine Zahlen sind die wichtigste Marktdaten-Quelle für Hersteller, Verarbeiter und Investoren. Für 2026 zeichnet der Verband ein Bild, das weniger einem Wachstumsmarkt als einem Markt in der Konsolidierung entspricht: Volumen-Rückgang gegenüber dem Hochpunkt 2023, sich verschiebende Material-Anteile, eine sich weiter verfestigende Hersteller-Konzentration und ein Handwerker-Mangel, der inzwischen die wesentliche Wachstumsbremse darstellt.

Das Volumen — vom Hochpunkt zurück zur Normalisierung

Der DACH-Fenstermarkt erreichte 2023 mit etwa 15,4 Millionen Fenstereinheiten einen Nachfrage-Hochpunkt, der noch von den Effekten der KfW-Förderung in der ersten BEG-Phase und vom Sanierungsdrang nach dem Energie-Schock 2022 getragen war. Für 2026 weist die VFF-Konjunkturprognose ein Volumen von etwa 14,2 Millionen Fenstereinheiten aus — ein Rückgang von rund acht Prozent gegenüber dem Spitzenwert. Die Ursachen sind im Verband-Bericht klar benannt: Die Bauzinsen-Welle der Jahre 2022 bis 2024 hat den Neubau spürbar gedrückt, und der Sanierungsmarkt habe nach dem Boomjahr 2023 eine Phase der Normalisierung erreicht.

Die regionale Verteilung des Rückgangs ist uneinheitlich. Während Deutschland mit etwa zehn Prozent Rückgang besonders deutlich verliere, bewege sich Österreich mit etwa fünf Prozent Rückgang in einer gedämpfteren Bewegung. Die Schweiz weise mit nur etwa drei Prozent Rückgang die stabilste Marktentwicklung auf — eine Beobachtung, die der VFF auf die anhaltend stabile Sanierungsförderung der Kantone und auf das insgesamt höhere Preisniveau zurückführt, das Investitionsentscheidungen weniger zinssensibel mache.

Material-Verteilung — Kunststoff dominiert, Holz-Alu wächst

Die Material-Verteilung im DACH-Fenstermarkt zeigt 2026 ein vertrautes Bild mit subtilen Verschiebungen. Kunststoff bleibt mit etwa sechzig Prozent das dominierende Rahmenmaterial. Es behauptet seine Position im Volumenmarkt — Wohnungsbau, Standardsanierung, sozialer Wohnungsbau — durch das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis, die ausgereifte Mehrkammerprofil-Technologie und die niedrigen Uf-Werte, die mit modernen Stahlarmierungen bei etwa 1,0 W/m²K liegen.

Aluminium hält mit etwa achtzehn Prozent einen stabilen Anteil, der von Gewerbebau, größeren Wohnprojekten und repräsentativen Einfamilienhäusern getragen wird. Die thermisch getrennten Aluminium-Profile haben in den letzten Jahren energetisch deutlich aufgeholt und sind in der hochwertigen Architektur das dominierende Material.

Holz-Aluminium-Verbund-Konstruktionen wachsen kontinuierlich und erreichen 2026 etwa zehn Prozent Marktanteil — Tendenz steigend. Sie verbinden die ökologische Wertigkeit des Holzes auf der Innenseite mit der Witterungsfestigkeit der Aluminium-Deckschale auf der Außenseite und sind im gehobenen Wohnbau eine bevorzugte Wahl. Reines Holz fällt auf etwa zwölf Prozent zurück, gehalten vor allem durch den Denkmalschutz-Markt und durch jene Bauherr:innen, die Wert auf eine reine Holzkonstruktion legen. Der reine Stahl-Fenster-Markt — vor allem im Industriebau und in der denkmalpflegerischen Restaurierung — macht weniger als ein Prozent aus und wird in den VFF-Zahlen nicht eigenständig ausgewiesen.

Hersteller-Konzentration bei Profilen und Beschlägen

Der Markt für Kunststoff-Fensterprofile ist im DACH-Raum hochkonzentriert. Vier Hersteller halten zusammen etwa fünfundsechzig Prozent des Marktanteils: Schüco (Bielefeld), Veka (Sendenhorst), Aluplast (Karlsruhe) und Kömmerling/profine (Pirmasens). Schüco ist gleichzeitig der größte Aluminium-Profil-Anbieter und im Premium-Wohnungsbau und Gewerbebau Marktführer. Veka dominiert das Kunststoff-Volumensegment; Aluplast bedient den preissensiblen Volumenmarkt; Kömmerling/profine adressiert mit hochwertigen Mehrkammerprofilen das Sanierungssegment.

Die restlichen fünfunddreißig Prozent verteilen sich auf eine größere Zahl mittelständischer Profilhersteller, darunter Salamander (Türkheim), Rehau (Rehau), Trocal (heute Teil von profine) und einige regional starke Anbieter in Österreich und der Schweiz. Eine weitere Konsolidierungswelle wird vom VFF nicht ausgeschlossen, aber als weniger wahrscheinlich eingeschätzt als noch vor fünf Jahren — die verbliebenen Mittelständler hätten sich stabilisiert und seien in Nischen profitabel positioniert.

Im Beschlag-Markt ist die Konzentration noch ausgeprägter. Roto Frank, Siegenia und Maco halten zusammen etwa achtzig Prozent des Fenster-Beschlag-Marktes. GU-Gretsch-Unitas (Ditzingen) ist im Türen-Beschlag eine zentrale Größe und im Fenster-Beschlag der vierte nennenswerte Anbieter. Die Konzentration werde, so VFF-Beobachter, durch die systemgebundene Zertifizierung gegen DIN EN 1627 strukturell verstärkt — der Markteintritt für neue Beschlaghersteller sei durch die notwendigen Entwicklungs- und Zertifizierungsaufwände hoch.

Dachfenster — Velux und Roto in seltener Konstellation

Der Dachfenster-Markt ist ein eigenständiges Segment mit einer anderen Marktstruktur. Velux, das dänische Unternehmen mit Hauptsitz in Hørsholm, hält in DACH etwa siebzig Prozent Marktanteil und ist damit unangefochtener Marktführer. Der zweite große Player ist Roto Dachfenster (Bad Mergentheim), die deutsche Tochter der Roto-Gruppe, mit etwa zwanzig Prozent. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf Fakro (Polen) und kleinere Anbieter. Die Hersteller-Konzentration im Dachfenster-Segment ist damit noch deutlicher als im klassischen Fassaden-Fenster.

Die Marktentwicklung im Dachfenster-Segment ist 2026 weniger volatil als im Standard-Fenster. Der Bestand an ausbaufähigen Dachräumen und der kontinuierliche Sanierungsdruck — alte Velux-Generationen aus den 1980er und 1990er Jahren werden zunehmend gegen aktuelle Solar-betriebene oder elektrifizierte Generationen ausgetauscht — sorgt für stabile Nachfrage. Velux und Roto Dachfenster gelten gemeinsam als jene Marktteilnehmer, die in der KfW-Förderkulisse besonders sichtbar adressiert werden.

Verarbeiter — 4.500 Betriebe, 12.000 fehlende Monteur:innen

Die Verarbeiter-Welt der DACH-Bauelementebranche umfasst nach VFF-Schätzungen etwa 4.500 Fenster- und Fassadenbau-Handwerksbetriebe. Sie bilden das Rückgrat der Branche — die Fertigung der Profile und Beschläge findet industriell statt, die Zusammenfügung zum fertigen Fenster und vor allem die Montage am Bau erfolgt überwiegend handwerklich. Die Betriebsgrößenverteilung ist klassisch mittelständisch: Etwa siebzig Prozent der Betriebe haben weniger als zwanzig Beschäftigte, etwa fünf Prozent haben mehr als hundert Beschäftigte.

Der zentrale strukturelle Engpass der Branche ist 2026 der Handwerker-Mangel. Der VFF schätzt, dass im DACH-Raum etwa zwölftausend Bauelemente-Monteur:innen-Stellen unbesetzt seien — ein Wert, der sich gegenüber 2020 ungefähr verdoppelt habe. Die Ursachen sind in den klassischen demografischen und Ausbildungsmustern zu suchen: Die Generation der in den 1960er Jahren ausgebildeten Monteur:innen geht in Ruhestand, die Ausbildungszahlen erreichen den Ersatzbedarf nicht, und das Berufsbild kämpft mit Image-Problemen.

Die Folgen sind im Markt unmittelbar sichtbar. Wartezeiten von vier bis sechs Monaten für eine Montage sind im Volumenmarkt Standard. Die Kostenseite zeigt eine deutliche Verschiebung: Während die Materialkosten 2023 bis 2025 unter Inflations-Druck standen, sind die Lohnkosten der Montage in den letzten drei Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Der VFF beobachtet, dass die Montage-Komponente in der Endkostenrechnung eines RC2-Fenster-Tauschs im Bestand inzwischen einen größeren Anteil ausmache als die Material-Komponente — eine Umkehrung des klassischen Verhältnisses.

Branchen-Initiativen — AVH, Fensterbauinitiative, GLT

Der Verbandsraum reagiert mit verschiedenen Initiativen. Die AVH (Aluminium-Fenster-Institut) ist die zentrale Stimme der Aluminium-Profil-Industrie und treibt unter anderem die Standardisierung der thermisch getrennten Aluminium-Konstruktionen voran. Die Fensterbauinitiative bündelt mittelständische Verarbeiter und Profilhersteller in einer gemeinsamen Marktansprache.

In der Schweiz ist die Glas-Trösch-Gruppe (Bützberg) mit ihrer Tochter GLT-Glas-Trösch ein zentraler Player im Verglasungsmarkt — ein Segment, das oft übersehen wird, weil die Verglasung als selbstverständliche Komponente des Fensters wahrgenommen werde. Tatsächlich sei der DACH-Markt für Bauglas hochkonzentriert: Saint-Gobain, AGC Interpane und Glas-Trösch halten zusammen den überwiegenden Teil der Versorgung von Wärmedämm-Isolierverglasungen.

Ausblick — Stabilisierung statt Wachstum

Die VFF-Prognose für 2027 sieht eine leichte Stabilisierung. Das Volumen werde sich, so die Erwartung, im Bereich von 14 bis 14,5 Millionen Fenstereinheiten einpendeln, ohne in den kommenden zwei Jahren auf den 2023er-Hochpunkt zurückzukehren. Wachstumstreiber bleibe die Sanierung; der Neubau werde durch die Bauzinsen-Lage strukturell gedämpft bleiben.

Die wichtigste mittelfristige Frage sei nicht die der Nachfrage, sondern die der Kapazität. Wenn der Handwerker-Mangel sich nicht entspanne, werde die Sanierungsquote des Bestandes hinter den klimapolitischen Zielen zurückbleiben — unabhängig davon, welche Förderkulisse aufgesetzt werde. Der VFF fordert daher seit Jahren konsequente Investitionen in die handwerkliche Ausbildung und in Schnellqualifizierungs-Programme für Quereinsteiger:innen. Erste Erfolge — die Ausbildungszahlen der DACH-Berufsschulen für Tischler- und Schreinerhandwerk sind 2025 leicht angestiegen — sind sichtbar, reichen aber nach Einschätzung des Verbandes nicht aus, um die Lücke binnen weniger Jahre zu schließen. Der Bauelementemarkt 2026 ist damit ein Markt, dessen Wachstumsgrenze weniger auf der Nachfrage- als auf der Angebotsseite liegt — eine Konstellation, die in der jüngeren Branchengeschichte selten war.


Ressort: Markt